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Von der alten Kelter bis zur Turnhalle

 

Ganz selbstverständlich werden heute die Plätze und Räume ausschließlich für den Sport genutzt, ohne daran zu denken, auf und in welchen Provisorien die hiesigen Pioniere für ihre sportlichen Erfolge trainierten.

Erstes Quartier für die Turner und Schwerathleten war die alte Kelter neben der katholischen Kirche, die von Gründungsmitglied August Osterberger zur Verfügung gestellt wurde. Doch die Freude war allerdings nicht von langer Dauer, denn der Einsturz des Daches 1924 machte diesen Übungsraum unbrauchbar. Gleich zweifach hilfreich sprang Baron Wilhelm von Racknitz in die Bresche. Zum einen konnten die Athleten im Schafstall des Schlosses neu unterkommen, und zum anderen stellte er das Gelände des heutigen Hauptplatzes beiden Vereinen zur Verfügung.

Die Fußballer, die oft auf der sogenannten Schafsweide – einem unebenen holprigen Flecken hinter der Burg Ehrenberg – trainiert hatten (zwei Bohnenstangen mit einem gespannten Seil dienten als Tor), durften an 5 Tagen, Turn- und Kraftsportler an 2 Tagen das neue Sportgelände benutzen. Doch zuvor musste die sogenannte Bleichwiese, damals ein schräg abfallender Platz, in Eigenarbeit eingeebnet werden. 1934 wurde das Spielfeld mit Holzstangen eingezäunt und der Bau des Sporthäuschens in Angriff genommen.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges gehörte das Sportgelände zu den teilenteigneten Ländereien der freiherrl. Racknitz’schen Güter, und am 10. November 1950 wurde dies von der Badischen Landessiedlung GmbH in Karlsruhe und der Gemeinde Heinsheim an den VfB Heinsheim verkauft.

Die neugegründete Kraftsportabteilung bekam den alten Übungsraum von Wilhelm von Racknitz wieder zur Verfügung gestellt.

In den folgenden Monaten warf dann ein bedeutendes Vorhaben erste Schatten voraus: der Gedanke zum Bau einer Turnhalle nahm Gestalt an. Leider sahen die finanziellen Voraussetzungen für die Verwirklichung gar nicht so rosig aus. 5.000,- DM Eigenkapital mussten nachgewiesen werden um in den Genuss finanzieller Vergünstigungen zu kommen. Doch woher nehmen und nicht stehlen? Der damalige Kassier Karl Grauf erinnerte sich, wie von Haus zu Haus gegangen wurde um von den Einwohnern just jenen Betrag in Form eines zinslosen Darlehens zu sammeln. Tatsächlich blieb die erbetene Hilfe nicht aus. Noch viel erfreulicher aber war, als nach fünf Jahren die Beträge zurückbezahlt werden sollten, dass viele Geber auf diese Rückzahlung gänzlich verzichteten.

1955 konnte endlich mit dem Bau der Turnhalle begonnen werden, und obgleich der TSV alleiniger Bauherr war, beteiligte sich die gesamte Bevölkerung durch Spenden und tatkräftigen Arbeitseinsatz. Schon der Bauzeit zeigte der Neckar des seine Kraft und legte die Bauarbeiten oder wie später den Sportbetrieb für gewissen Zeiten lahm. Nach fünf Jahren hatte sich all die Mühen gelohnt und die neue Halle konnte ihrer Bestimmung übergeben werden. Neben den Mitgliedern des TSV standen die neuen Räumlichkeiten fortan auch dem Schulsport zur Verfügung. Als im Dezember 1964 Bürgermeister und TSV-Vorstand Josef Müller überraschend verstarb erhielt die Turnhalle zu Ehren des Mannes, der fast vierzig Jahre lang die Geschicke des Vereins vorbildlich geleitet hatte, seinen Namen.

1963 bekam der Sportplatz eine neue Umzäunung und drei Jahre später eine Drainage. Der intensive Sportbetrieb machte 1969 eine Erweiterung des Geländes notwendig. Das benachbarte gemeindeeigene Grundstück wurde als zusätzliches Spielfeld hergerichtet.

Am Ende des darauffolgenden Jahres schloss der TSV mit der damals noch selbstständigen Gemeinde Heinsheim einen Vertrag, der die Verwaltung und Bewirtschaftung sowie alle finanziellen Beteiligungen der Gemeinde an den anfallenden Kosten regelte.

Genau zwanzig Jahre nach dem einstigen Baubeginn der Halle zeigte es sich, dass da und dort Ergänzungen notwendig wurden. In mehreren Bauabschnitten bekamen die Gewichtheber mehr Raum, WC- und Duschanlagen wurden angebaut und installiert und en Küchenbereich geschaffen. Nach wieder fünf Jahren waren die Baumaßnahmen abgeschlossen.

Als Erwin Müller 1982 den Vorsitz des TSV übernahm, war klar, dass es dem Verein nicht länger gelänge den drückenden Schuldenberg aus eigener Kraft abzutragen. Längst schon befand sich Heinsheim unter der Obhut der städtischen Verwaltung von Bad Rappenau, doch vorgenannter Vertrag hatte auch über die Eingemeindung hinaus Bestand. Der TSV beantragte deswegen eine Erhöhung der seinerzeit beschlossenen Beteiligung.

Nach ausgesprochen zähen Verhandlungen brachte schließlich der Beschluss des Gemeinderates zusammen mit der Entscheidung in der Hauptversammlung des TSV die Lösung. Ab dem 1. Juli 1984 galt: eine umfassende Nutzungsverfügung und die Verwaltung wie auch die volle Unterhalts- und Instandhaltungspflicht für die Halle gehen im Rahmen eines Nießbrauchsrechtes für vorerst 35 Jahre auf die Stadt Bad Rappenau über. Sämtliche Gebäudeteile waren in den Vertrag mit eingeschlossen, ausgenommen der Bereich des Sportheimes und der darüber liegenden Wohnung.

Damit nun allerdings nach diesem geänderten Nutzungsrecht der Sportbetrieb, insbesondere die gastwirtschaftliche Betreuung von Spielern und Zuschauern sichergestellt werden konnte, waren Veränderungen im Sportheimbereich unumgänglich. Zwei Möglichkeiten wurden letztendlich ausgearbeitet: eine sogenannte kleine und eine große Lösung.

Bei der kleinen Lösung hätte die Stadt Bad Rappenau die gesamten Baukosten in Höhe von etwa 105.000,- Mark getragen; neben einer eigenen Küche wäre dabei lediglich ein kleiner Vorratsraum in einem kleinen Anbau integriert worden. Das Sportheim selbst hätte ganze 40 Personen Platz bieten können.

Gut dreimal so vielen Menschen bot dagegen die große Lösung bequemen Aufenthalt. Dafür aber waren weitreichende Umbaumaßnahmen notwendig, die durch die Stadt lediglich bezuschusst würden. Die Verlagerung der Küche und des Vorratsraumes zöge eine umfangreiche Änderung des Eingangsbereiches nach und auch die WC-Anlagen erführen eine Neuanordnung. Fast viermal so hoch sollten dann die Kosten klettern, und nur der Nachweis einer regen Mitarbeit durch die Mitglieder um durch Eigenleistung die Finanzierung zu unterstützen, gäbe grünes Licht für dieses Bauvorhaben. Denn gerade diese zu leistende Eigenarbeit gab auch die Gewähr, auch bei der Wahl der großen Lösung ohne erneute Bauschulden für den Verein etwas Eigenes zu schaffen. Damit konnte auch der Verzicht des Verfügungsrechtes für die Josef-Müller-Halle gegenüber der Vereinsgeschichte rechtfertigen.

Obwohl es ganz offensichtlich war, dass die kleine Lösung den nötigen Raum kaum bieten konnte und ein zukünftiger Platzmangel vorprogrammiert sein musste, sprach sich fast die Hälfte der auf der Mitgliederversammlung Anwesenden dafür aus. Ganze zwei Stimmen mehr konnten die Befürworter der großen Lösung auf ihrem Konto verbuchen. Das knappe Abstimmungsergebnis ließ das Aufflackern protestierenden Widerstandes vermuten, und häuften sich – trotz schriftlicher Zusage kameradschaftlicher Mithilfe - ein ums andere Mal die Absagen der Helfer. Um so erfreulicher was es, dass eine große Anzahl von Mitgliedern mit ihrer unentgeltlichen Mithilfe dazu beigetragen hat, die große Lösung auch ohne neue Schuldenlast fertiggestellt werden konnte.

Mitte der 90er Jahre nahmen nach und nach die Sanierungsmaßnahmen bei der Josef-Müller-Halle überhand und sowohl die Stadt Bad Rappenau als auch der TSV Heinsheim hatten den Wunsch die alte Halle durch eine neuen funktioneller Halle zu ersetzen. Nach zähem Ringen um den Standort konnten sich die Vereinsverantwortlichen um den damaligen Vorstand Erwin Müßig durchsetzen und das neue Schmuckstück sollte an der gleichen Stelle erbaut werden. Mit der Unterstützung aller Heinsheimer Verein wurden die anstehenden Detailfragen geklärt. Zwei entscheidenden Punkte mussten nach Meinung der Heinsheimer in der neuen Halle mit eingeplant werden. Mit einer integrierten, festen Bühne sollte das neue Bauwerk eine nicht nur als Sport- sondern auch als Festhalle genutzt werden und zum zweiten waren die Heinsheimer Gewichtheber inzwischen in der 2. Bundesliga angelangt. Ein leistungsgerechter Trainingsraum war zum Erhalt des Erreichten unbedingt nötig.

Am 16. August 1999 war es dann soweit: Mit einem Baggerbiss durch Bürgermeister Gerd Zimmermann endete ein großes Stück alter Tradition für den TSV Heinsheim.

Nach ca. 16 Monaten Bauzeit wurde die neue Fest- und Sporthalle unter großer Teilnahme der Heinsheimer Bevölkerung seiner Bestimmung übergeben. In Erinnerung an den ehemaligen TSV-Vorstand, Bürgermeister der Gemeinde Heinsheim und entscheidenden Initiator der alten Sporthalle erhielt auch die neue Halle den Namen „Josef-Müller-Halle“.

Genau wie das erweiterte Sportheim, die Sport- und Tennisanlagen steht auch die neue Fest- und Mehrzweckhalle als Symbol einer gemeinsamen Arbeit und großer Zusammengehörigkeit aller Heinsheimer. Nutzen wir also die Einrichtungen in diesem Sinn und stellen sie in den Mittelpunkt des sportlichen und geselligen Lebens, gleichgültig ob überragende Erfolge gefeiert werden oder schmerzliche Niederlagen zu verkraften sind.

(Autor: unbekannt)

 
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